Steuermoral versus Besteuerungsmoral

Sind Sie auch der Meinung, dass unsere Steuermoral immer nur so gut ist, wie die Besteuerungsmoral des Staates?

Abgesichert ist: Wenn die Besteuerungsmoral zu exzessiv wird, dann sinkt in gleichem Ausmaß unsere Bereitschaft Steuern zu bezahlen, besonders dann, wenn wir uns ausgenommen fühlen wie eine Weihnachtsgans. Genau dieses Gefühl macht sich bei mir immer mehr breit. Einerseits unklare Gesetze und Erlässe, die dann rückwirkend wieder aufgehoben werden und andererseits immer schärfer werdende Betriebsprüfungen, bei denen man das Gefühl nicht los wird, dass es nicht um Steuergerechtigkeit geht, sondern nur noch um Mehr-Ergebnis und dass man von vornherein als Steuerhinterzieher gilt.

Zum Beispiel: Wenn bei einer Eigentumswohnung der Grundanteil zwischen 30 und 40% liegen soll, ist das einfach nur wirklichkeitsfremd. Dann erlässt die Finanzverwaltung für einen Grundstückserwerb die Verordnung, nach der man den Wert seines Grundstückes ermitteln kann. Bei dieser Ermittlung kommt es zu durchaus vernünftig scheinenden Ergebnissen zwischen 10 und 15% des Wertes. Ein Erlass der Finanzverwaltung stellt fest, dass diese Werte auch für den Grundstücksanteil genommen werden können. In weiterer Folge stellt man fest, dass diese Verhältnisse zwar realitätsbezogen, aber fern der Erwartungen der Finanzverwaltung liegen und man kündigt an, diesen Erlass rückwirkend wieder aufzuheben. So kann man mit den Steuerzahlern nicht umgehen!

Oder: die Evidenzkonten für Kapitalrücklagen, wo es laufend Änderungen gegeben hat, bis sich zum Schluss überhaupt niemand mehr ausgekannt hat, wie solche Evidenzkonten zu führen sind. Nunmehr wurde im Regierungsprogramm angeführt, dass wieder die seinerzeitigen Regelungen in Kraft gesetzt werden. Auch das macht nicht gerade Freude bei den Steuerzahlern. Und was für Statements ich in der letzten Zeit von Betriebsprüfern zu hören bekam, abgesehen vom leidigen Autothema!

“Da müssen doch noch Grundaufzeichnungen sein, die nicht aufgehoben wurden! Der Werbeaufwand ist zu hoch, hier hätte die halbe Provision genügt, um das Geschäft zu machen. Wozu ein so großes Lager mieten, ein kleineres würde es ja auch tun“ usw.

Bin ich noch ein freier Unternehmer oder wird mir jetzt von der Finanz vorgeschrieben, wie ich meinen Betrieb führen muss?

Fragt sich
Euer Haderer