Vertritt unsere Kammer eigentlich unsere Interessen? Und ist unsere Kammer eigentlich europareif?

Ja, wirklich: Unsere Kammer hat nicht einmal mehr ein Büro, geschweige einen Sessel in Brüssel, dabei werden dort - und nur mehr dort - für unseren Berufsstand die wesentlichen Dinge entschieden - und wir haben Niemanden, der in Brüssel unsere Interessen vertritt.

Ich denke da gleich an die neue Datenschutzgrundverordnung, die uns in Brüssel aufgezwungen wurde. Und ich verstehe jetzt erst, warum wir in dieser Sache keine Erleichterungen für unseren Berufsstand erzielt haben. Wo keine Kammer, da keine Interessensvertretung und da kein Lobbying für uns!

Fakt ist: Wir haben eine sehr strenge und sehr gute Verschwiegenheitspflicht. Diese Verschwiegenheitspflicht müsste doch eigentlich für den Datenschutz reichen. Denn ich bin hundertprozentig sicher, dass kein österreichischer Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer persönliche Daten seiner Klienten gegen Entgelt weitergibt, so wie man das jetzt z.B. von Facebook hört.

Datenschutz ist richtig und wichtig, aber er müsste wohl dort greifen, wo etwas passiert. Da hätte unsere Kammer schon längst in Brüssel tätig werden müssen, um unseren Beruf überhaupt von dieser Verordnung auszunehmen.

Aber unsere Kammergranden schert das offensichtlich gar nicht, warum auch - sie sitzen ja noch lange auf Ihren Sesseln. Zumindest noch bis zu den nächsten Kammerwahlen.

Manchmal frage ich mich: Ist die elementare Tätigkeit der Kammer eigentlich die Vertretung der Interessen unseres Berufsstandes oder in erster Linie das rechtzeitige Inkasso unserer Umsatzgebühren?

Weil: Nie ist unsere Kammer schneller als bei der unmissverständlichen Aufforderung zu Beginn jedes Jahres, unsere Jahresumsätze zwecks Umsatzgebühren zu melden.

Beträchtlich langsamer hingegen ist unsere Kammer bei den Leistungen:

Seit Monaten verspricht sie uns Unterlagen und Merkblätter für die DSGVO - diese tritt immerhin im Mai in Kraft. Der erste Entwurf ist Mitte März gekommen. Das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten umfasst 36 Seiten und ist für einen normalen Steuerberater, der kein EDV-Fachmann ist, vielfach einfach unverständlich. Als kompetente Interessensvertretung hätte ich mir schon eine Unterlage vorgestellt, die leicht verständlich ist. Es kann doch nicht sein, dass man für das Verstehen einer solchen Liste einen EDV-Berater beiziehen muss und damit noch die Verschwiegenheitspflicht verletzt.

Die neue DSGVO, das Gesetz über den wirtschaftlichen Eigentümer und neue strengere Bestimmungen über Geldwäsche, dies alles sollen wir innerhalb kürzester Zeit in unseren Kanzleien umsetzen.

Ich frage mich: Arbeitet unser Berufsstand durch Befolgung derartiger Gesetze nur noch für den Staat? Sollten wir nicht eigentlich für unsere Klienten arbeiten?

Theoretisch kann man ja alles leicht beschließen, aber niemand fragt, ob es auch praktisch umsetzbar ist - oder kann es vielleicht sein, dass sich unsere Kammer auch nicht mehr heraussieht.

das fragt sich
Euer Haderer