FinONLINE für Wirtschaftstreuhänder ein Erfolgsmodell der Finanz!

30.09.2016

Warum nicht auch bei den SV-Trägern?

 

Mit der FinanzOnline-Verordnung 2006 (FOnV) begann die Erfolgsgeschichte für ein effizientes und verwaltungsökonomisches Arbeiten zwischen dem Abgabepflichtigen, seinem berufsmäßigen Parteienvertreter (Wirtschaftstreuhänder) und der Finanzverwaltung.

Es wurden damit nicht nur alle Eingaben und Anbringen an die Finanz vereinfacht und beschleunigt, sondern auch der Zahlungsverkehr erleichtert und gleichzeitig ein Einblick auf dem Finanzamtkonto mit allen Abgabenarten geschaffen. Damit wurde die gesamte Steueradministration wesentlich erleichtert, aber vor allem die Finanzverwaltung gewaltig entlastet. Es gab damit viel weniger An- und Rückfragen in den Referaten bzw. in den Finanzkassen durch Parteienvertreter bzw. durch den Abgabepflichtigen. Diese Informationen holte sich der Abgabepflichtige nun direkt und rascher beim Steuerberater ohne das damit die Finanz aufwandsmäßig belastet war.

 

Teilnahmeberechtigt im FinanzOnline-Verfahren sind gem. § 2 (2) Z. 1 FOnV die berufsmäßigen Parteienvertreter, die im Verzeichnis der Kammer der Wirtschaftstreuhänder eingetragen sind (Steuerberater/Wirtschaftsprüfer), eine Vertretungsvollmacht haben, bzw. sich gem. § 10 AVG auf die ihr erteilte Vollmacht berufen.

Aus meiner Sicht sollte man dieses Erfolgsmodell auch auf alle Sozialversicherungsangelegenheiten (Beitragskonto, Pensionskonto usw.) anwenden können.


Derzeit sind nur Zugänge über Bürgerkarte oder ELDA möglich, die für den WT sehr aufwendig und „umständlich“ sind. Ein Zugriff als bevollmächtigter Vertreter ist zurzeit auf das Pensionskonto gar nicht möglich und auch nicht vorgesehen.


Nachdem der Wirtschaftstreuhänder gem. § 3 (2) Z. 3 WTBG zur Beratung und Vertretung in Beitrags-, Versicherungs- und Leistungsangelegenheiten der Sozialversicherungen, einschließlich der Vertretung vor den Verwaltungsgerichten befugt sind, wäre eine Öffnung von FinanzOnline für alle Sozialversicherungsangelegenheiten einschließlich Pensionskonto jedenfalls verwaltungsökonomisch und zweckmäßig.


Meines Erachtens wäre die Plattform FinanzONLINE bestens geeignet mit Schnittstellen oder direkt über das USP-Portal, bzw. das ELDA-Portal zu kommunizieren.  Dies würde nicht nur für die Versicherten Vorteile bringen, da deren WT alle Daten sofort und jederzeit abrufen kann, sondern auch wesentliche Verwaltungsvereinfachungen bei den Sozialversicherungsträgern. Die zahlreichen Anfragen in Beitrags- aber auch Pensionsangelegenheiten würden sich wesentlich reduzieren, bzw. weg fallen, da der Steuerberater im Rahmen seiner Beratungstätigkeit die Abfragen selber tätigen und damit rascher und effizienter sein kann.


Vor allem die Öffnung des Pensionskontos wäre ein besonderes Anliegen von uns, da gerade Pensionsberatungen immer häufiger von uns gefordert werden und diese derzeit nur mit schriftlichen Anfragen an die Sozialversicherungsträger mit hohem Aufwand und Zeitverzögerung für beide Seiten machbar sind. Dies kostet nicht nur Zeit sondern bindet auch bei den Behörden und bei uns viele Ressourcen.


Die KWT versucht bereits seit 2012 bei der SVA für den WT einen Zugriff auf Pensionskonten der Klienten zu bekommen, welcher bisher immer wieder abgelehnt, bzw. darauf verwiesen wurde, dass dies nur mit der Bürgerkarte durch den Versicherten persönlich möglich sei. Wir haben unsere Wünsche auch über den Arbeitskreis FinONLINE mit dem BMF vorgebracht, was ebenfalls bisher zu keinem Erfolg geführt hat.


Bereits am 24.6.2013 wurde der KWT von der SVA bestätigt, dass ihnen ein unbürokratischer Zugang zum Online Service ein wichtiges Anliegen und Ziel sei, die SVA aber nicht zuständig wäre. Weiters wurde ausgeführt, dass die Nutzung von ELDA und Pensionskonto in der Hand vom Hauptverband und der GKK liegt, bzw. über den Zugang zu FinanzOnline das BMF entscheidet.


Nach der Anfrage an das BMF wurde im August 2013 mitgeteilt, dass bereits einige Serviceleistungen der Sozialversicherung über FinanzOnline möglich seien, wir uns aber wegen dem Zugriff zum Pensionskonto an den Hauptverband wenden sollen.


Nachdem sich auch der Hauptverband als nicht zuständig erklärte, wurde Ende 2015 wieder beim BMF angefragt. Hier wurde am 22.2.2016 ausgeführt, dass die für FinanzOnline relevante Vollmacht nicht das Pensionskonto des Klienten betrifft. Aus diesem Grund darf ein Zugang des WT zum Pensionskonto nicht umgesetzt werden.


Zur Klarstellung: die Vollmacht des WT umfasst natürlich auch pensionsrechtliche Angelegenheiten: ….gilt auch für die Vertretung in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten…. sowie § 3 Abs. 2 Z 3 WTBG (Sozialversicherung).


In einer Sitzung vom 22.6.2016 im Bundesrechenzentrum zum Vertretungsmanagement im USP wurde vom Vertreter des Hauptverbandes klar gestellt, dass ein Zugang des WT‘s zum Pensionskonto nicht gewünscht sei, da ohnehin jeder Versicherte Einsicht in sein Pensionskonto habe.


Wir haben nun nach vier Jahren „Spießrutenlauf“ am 12.8.2016 einen Brief an den BM Stöger gerichtet und noch einmal darum gebeten, das Erfolgsrezept der Finanzverwaltung als Beispiel zu nehmen. Es soll für den Steuerberater ein Zugang in allen Sozialversicherungsangelegenheiten einschließlich Pensionskonto über FinanzOnline möglich sein. Dies würde nicht nur die Anfragen bei den Sozialversicherungsträgern und damit den Verwaltungsaufwand stark reduzieren, sondern auch dem Versicherten raschere Information und Beratung bieten.


Ich hoffe, dass vom BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz hier endlich Klarheit geschaffen wird und die politischen Versprechen über Verwaltungsvereinfachung wieder nur Lippenbekenntnisse bleiben.