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Nerven aus Drahtseilen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Nerven aus Drahtseilen, ich glaube, diese brauchen wir in diesen Tagen. Starke Nerven, um die schlechten Nachrichten aus Europa beziehungsweise aus der Weltpolitik zu verkraften und auch um in unserem persönlichen Umfeld die Folgen dieser schlechten Entwicklungen abfedern zu können.

Mit dem Überstehen der Corona-Krise haben wir geglaubt, dass es nun einen ruhigeren Sommer geben könnte und eventuell die Corona-Krise auch nicht mehr zurückkommen wird. Die Infektionszahlen im März waren leider nicht so gut wie wir uns das gedacht oder gewünscht haben und lassen eine schwierige Entwicklung für den Herbst erwarten. Wir sind daher in Sachen Corona weiterhin mit Vorsicht unterwegs und erwarten eigentlich, dass bald die nächste Mutation wieder vieles auf den Kopf stellen wird. Die Personalausfälle in den Kanzleien aufgrund von Corona stellten uns auf eine harte Probe und haben unser grundsätzliches Problem mit dem Mitarbeiter-Mangel noch weiter verschärft. Wesentliches aktuelles Ereignis aber ist die Ukraine- Krise beziehungsweise der Einmarsch Russlands in die Ukraine am 25. Februar 2022.

Das menschliche Leid und der große wirtschaftliche Schaden, die dadurch entstanden sind und laufend dazukommen, sind unvorstellbar und konnten noch wenige Wochen vorher überhaupt nicht eingeschätzt werden. Wir sehen täglich in den Medien grauenvolle Bilder und schlechte Nachrichten aus der Ukraine, die einen enormen wirtschaftlichen Schaden und unfassbares persönliches Leid hervorrufen. Indirekt sind wir durch die Hilfesuchenden, die zu uns kommen, und durch die sich abzeichnende Energiekrise, und nicht zuletzt durch die Inflation, die unser Leben verändern wird, schwer getroffen. Einige Autoren haben diese Entwicklung vorhergesagt oder haben die Gründe dieser Entwicklung dargelegt.

Ich habe für meinen Teil mitgenommen, dass wir die Geldwäsche- Bestimmungen wesentlich verschärfen müssen. Ich habe das Buch „Putins Netz“ von Catherine Belton gelesen und bin negativ überrascht vom Netzwerk der Oligarchen und von Putin selbst, die aus der Vorherrschaft einer Partei in der Zeit der Sowjetunion quasi eine „Kleptokratie“ eingerichtet haben und enorme Geldmengen aus Russland - zum Schaden der russischen Bevölkerung - herausgebracht haben. Es ist nicht ein Krieg Russlands, sondern der Krieg Putins aus seinen persönlichen Motiven heraus und kann nur deswegen erfolgen, da vorher Unmengen an Milliardenbeträgen in den westlichen Geldkreislauf gebracht wurden. Das russische Volk wurde bestohlen und hat nun auch die aktuellen Sanktionen des Westens zu verkraften.

Wir sollten uns überlegen, ob wir neben einer tatkräftigen Unterstützung der Hilfesuchenden (Die Kammer hat EUR 50.000 an die Caritas für die Ukraine-Hilfe gespendet) auch die Sümpfe der Oligarchen (so wie es ein Bundespräsident einmal zu einem österreichischen Skandal gesagt hat) trocken legen müssen. Durch die Verschärfung und vor allem durch die persönliche Nachkontrolle von zwielichtigen Personen und zweideutigen Gestaltungen sollten wir die Basis für die russische Kleptokratie und für den russisch-ukrainisch Krieg entziehen.

Beides zusammen (Ukraine-Krieg und Corona-Krise) wirken sich – so hoffe ich – nicht unmittelbar auf unser Geschäft im Vergleich zu internationalen Unternehmen, einige davon auch mit österreichischen Wurzeln, aus. Aber doch mittelbar durch die Anspannung bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und durch den weiteren Bedarf an Personalreserve, die wir haben sollten, die wir aber aufgrund des geringen Zustroms zu unseren beiden Berufsgruppen leider derzeit nicht haben. Die Inflationswelle, die auf uns zurollt, nicht nur aufgrund der Energiekrise, sondern auch aufgrund der Verwerfungen in den Lieferketten, werden auch unsere Leistungen verteuern und werden uns bei der Honorargestaltung große Sorgen machen. Ich hoffe, Sie können sich im Mai - in den Feiertagen - entspannen und Kraft schöpfen für diese Herausforderungen. Jedenfalls freue ich mich im Mai schon auf die Arbeitstagung in Eisenstadt, wo wir uns nach zwei Jahren Corona-Pause wieder persönlich treffen können. Ich freue mich wieder mit Kolleginnen und Kollegen ohne digitale Medien persönlich zu sprechen und im Gedankenaustausch über die Krise Ideen für die Zukunft zu sammeln und zu erörtern. Ich hoffe, wir sehen uns in Eisenstadt und wünsche Ihnen bis dahin, wie gesagt, starke Nerven.

Ihr Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2022-02

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