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VWT-Informationsabend – ESG in der Praxis

Nachlese von Elisabeth Mann, BSc, ECOFIDES

Am 27.11.2023 fand am Erste Campus in Wien ein VWT-Informationsabend zum Thema ESG in der Praxis statt. Im Fokus des Vortrags standen der Mehrwert von ESG-Management, die Offenlegungspflichten nach CSRD und Taxonomie-VO sowie Schnittstellen und Marktchancen, die sich daraus für die Steuerberatung ergeben. Ein interaktiver Teil rundete die gut besuchte Weiterbildungsveranstaltung ab.

Die VWT-Landespräsidentin Wien, Mag. Christina Hartig, eröffnete den Informationsabend, begrüßte die Teilnehmer:innen und stellte DI Sabrina Lichtnegger, die Vortragende und Geschäftsführerin der ECOFIDES Consulting GmbH, vor. Ihr Vortrag mit dem Titel „ESG in der Praxis und die Schnittstelle zur Steuerberatung“ bot einen profunden Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich ESG-Management und die damit verbundenen regulatorischen Anforderungen im Rahmen des EU Green Deals. Von Seiten des Gastgebers Erste Bank richtete Mag. (FH) Ursula Wanninger Begrüßungsworte ans Auditorium, zu dem auch VWT-Funktionsträger, allen voran Präsident Mag. Philipp Rath, sowie Generalsekretärin Ilse Bugelnig zählten.

Integration in den Unternehmensalltag

Einführend wies Lichtnegger, die immer wieder persönliche Erfahrungen aus ihrem Beratungsalltag einbrachte, auf die Dringlichkeit einer Transformation der Wirtschaft hin. Es gelte, globalen Herausforderungen, wie einer Erwärmung um 1,4°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau, einem seit 1970 verdreifachten Ressourcenverbrauch und verzehnfachten Extremwetterereignissen seit 1960, zu begegnen. Die Integration von Nachhaltigkeit in den Unternehmensalltag leiste dabei einen unverzichtbaren Beitrag.

Von der umfassenden EU-Regulatorik ist, beginnend mit börsennotierten Kapitalgesellschaften, ein immer weiterer Kreis von Unternehmen betroffen. Der EU Green Deal mit Taxonomie- Verordnung, CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) wurde als treibende Kraft für eine umfassende Datenerhebung durch die verpflichteten Unternehmen vorgestellt. Die Anforderungen erstrecken sich auch auf zuliefernde Betriebe in
der Wertschöpfungskette, die durch Vorgaben ihrer Auftraggeber oder Ausschreibungskriterien vermehrt ökologisch und sozial verantwortliches Handeln nachweisen müssen. Von den zur Berichterstattung verpflichteten Unternehmen fordert die CSRD zusätzlich zum traditionellen Lagebericht eine sogenannte Nachhaltigkeitserklärung. Diese ist so wie der Lagebericht einer externen Überprüfung zu unterziehen. Die Umsetzung der CSRD in nationales Recht erfolgt durch das in Vorbereitung befindliche österreichische Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG).

Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsinformationen für die Außenkommunikation wurde ebenfalls hervorgehoben. Unternehmen müssen nicht nur Kundenanforderungen erfüllen, sondern im Wettbewerb um Arbeitskräfte auch durch Employer Branding punkten. Darüber hinaus verlangen Kreditinstitute zunehmend Nachhaltigkeitsinformationen, da sie ihrerseits ihre Nachhaltigkeitsperformance in Form der Green Asset Ratio offenlegen müssen. Dadurch können auch nachhaltige Unternehmen beispielsweise von verbesserten Kreditkonditionen profitieren.

In einem weiteren Block wurde auf die neuen Herausforderungen im ESG-Datenmanagement eingegangen, thematisiert wurden die Quantität und Komplexität der zu erhebenden Daten, die Datenerhebung selbst sowie die Prüfbarkeit. Zur Unterstützung bei Aufbau und Durchführung dieses wiederkehrenden Prozesses können KMU auf externe Beratung zurückgreifen, die mit der Definition von Schwerpunktbereichen beginnt und bis hin zur Kommunikation der Nachhaltigkeitsaktivitäten reichen kann. Mögliche Beratungsbausteine sind in der Grafik beispielhaft dargestellt.

Besondere Rolle für Steuerberater:innen

Spezielles Augenmerk wurde auf die besondere Rolle gelegt, die Steuerberater:innen im ESG-Management-Prozess spielen. Sie sind vielfach die erste Anlaufstelle für Fragen und können dank der soliden Vertrauensbasis zwischen ihnen und ihren Klient:innen einen entscheidenden Beitrag zur Neuausrichtung leisten. Ihr Verständnis für unternehmerisches Denken, ihr professioneller Umgang mit ESG-Daten und ihre gute Innensicht machen sie zu wichtigen Akteuren in diesem Prozess. Sabrina Lichtnegger betonte: „Wir sehen den Berufsstand der Steuerberatung in einer Schlüsselrolle bei der Transformation unserer Wirtschaft. Er übt durch seine Klientenbeziehungen eine wichtige Multiplikatorfunktion aus. Darüber hinaus können die Kanzleien durch die nachhaltige Ausrichtung ihres eigenen Betriebs mit gutem Beispiel vorangehen.“

Im  Anschluss wurden die Themen in einer interaktiven Session vertieft. Fragestellungen zu den Themenbereichen ESG-Datenerhebung, ESG-Data-Hub, ESG-Roadmap, Berufsbild im Wandel sowie Ideenfabrik waren auf Flipcharts notiert. ECOFIDES-Mitarbeiter:innen erörterten mit den Interessierten die jeweiligen Thematiken, hielten die wichtigsten Diskussionsergebnisse fest und stellten sie zusammenfassend dem Plenum vor. Besonders hervorzuheben sind hier nochmals die Position der Steuerberatung in der Datenerhebung und die Chance, diese künftig auf ESG-Themen auszuweiten. Weitere intensiv behandelte Punkte waren die Wichtigkeit der Kommunikation, des Schaffens von sinnstiftender Arbeit sowie der Mut zu Kooperationen. Bei einem so komplexen Thema sei es, so die ECOFIDES-Empfehlung, wichtig, interdisziplinär gut aufgestellt zu sein und verschiedene Expert:innen an Bord zu holen. In der Ideenfabrik ging es primär um die Voraussetzungen, die Kanzleien brauchen, um aktiv zu werden. Angesichts der hohen Dynamik und Aktualität des Themas ist es wichtig, am neuesten Stand zu sein, Erfahrungswerte zu sammeln und diese auch zu teilen.

Nach dem spannenden und intensiven Informations- und Diskussionsblock stellten Christina Hartig und Philipp Rath ihre Sichtweise auf das Thema dar und beantworteten Fragen zur Rolle der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen in Zusammenhang mit Berichterstattung und Berichtsprüfung. Bei anschließendem weihnachtlichem Buffet wurde von der Möglichkeit, sich weiter auszutauschen und zu vernetzen reger Gebrauch gemacht.

Ausgabe WT 2024-02

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