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Frühlingserwachen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Frühling ist es und von der Steuerreform ist leider noch nicht viel zu sehen: Die Steuerreform wurde mehrfach in der Öffentlichkeit präsentiert, so zum Beispiel bei der Regierungsklausur Mitte Jänner und in der Folge wurden auch im Ministerrat einzelne Punkte wie das Umsatzsteuerpaket und die Digitalsteuer vorgetragen. Die lang erwartete Entlastung der Arbeitnehmer und die Entbürokratisierung für Unternehmen lässt aber weiterhin auf sich warten.

Steuerreform wann?

Der Ministerratsvortrag zum Digitalsteuerpaket (Besteuerung der digitalen Wirtschaft) umreißt die von der Bundesregierung gewünschten Maßnahmen, endet aber nach knapp drei Seiten mit der Aufforderung, dass die zuständigen Ministerien „Gesetzesentwürfe mit den … angeführten Inhalten, samt Vorblatt und Erläuterungen“ auszuarbeiten haben. Der parlamentarische Prozess mit Begutachtungsfrist bleibt abzuwarten.

Ich hoffe dennoch, dass im Laufe des Aprils die Details der Steuerreform bekannt gegeben werden. Denn nach der ursprünglichen Planung soll die Steuerreform ein Teil des Jahressteuerpakets 2019 sein, das mit 1.1.2020 in Kraft treten soll. Daher muss die Begutachtung noch im späten Frühjahr erfolgen, sodass die Verabschiedung des Jahressteuergesetzes im Plenum des Nationalrates mit Ende Juni bzw. Anfang Juli erfolgen kann. Wir Steuerberater werden daher 2019 einen quasi „schönen Sommer haben“, denn wir werden uns selbst in die Materie einarbeiten, um unsere Klienten über die neuen Möglichkeiten beraten, beziehungsweise auf mögliche neue Gefahrenquellen hinweisen zu können.

Bis dahin bleibt uns Zeit, den Stand der Digitalisierung in unseren Kanzleien noch einmal zu bewerten und vielleicht weitere Schritte zu setzen. Die Ergebnisse der von der KSW veranlassten Umfrage Ende 2018 zeigen, dass die Einschätzung der Kollegen zur Digitalisierung ihrer Kanzleien besser geworden ist, aber erst knapp 2% der Kollegen geben an, dass sie in einer voll digitalisierten Kanzlei arbeiten.

Die Digitalisierung ist meiner Meinung nach nicht nur eine digitale papierloses Belegverarbeitung

Digitalisierung heute

Die Digitalisierung ist meiner Meinung nach nicht nur eine digitale papierloses Belegverarbeitung, sondern vor allem auch die digitale Kommunikation mit dem Finanzamt und in der Folge mit den Klienten. Die Bescheide kommen nur mehr digital in das elektronische Post-Eingangsfach, werden von unseren Mitarbeitern ohne jeden Ausdruck auf Papier bearbeitet und dann direkt – eventuell mit digitalen Bearbeitungsvermerken auf den Bescheiden - an unsere Klienten versendet. Die Ablage und Kontrolle der Bescheide, die Vorberechnung und die im Einzelfall notwendige Beantwortung von Ergänzungsersuchen seitens des Finanzamts erfolgt komplett digital auf dem Kanzlei-Server. Die „offene“ Kommunikation per E-Mail tritt in den Hintergrund, da neben dem Finanzamt (FinanzOnline) auch mit den Klienten nicht per E-Mail kommuniziert wird, sondern es werden für jeden Klienten jeweils eigene sichere Orte in der „Cloud“ – im Einzelfall abhängig von der Unterstützung durch den Softwareanbieter – eingerichtet. Damit ist nicht nur der Schriftverkehr per Post, sondern auch die E-Mail-Korrespondenz in der digitalen Zukunft deutlich geringer.

Die Digitalisierung ist daher für mich bereits auf Stufe 2 angekommen: digitale Bescheidverarbeitung, digitale Fristenkontrolle und Quotenverwaltung, digitale Korrespondenz mit dem Finanzamt und mit den Klienten. Diese Umstellung trifft auch den Arbeitsablauf jedes einzelnen Mitarbeiters von uns tagtäglich. Die „Digital Natives“ haben hier keine Berührungsängste, die Älteren müssen hier noch ein wenig nacharbeiten, treffen wird es jeden. Auf welchem Büroarbeitsplatz ist denn kein Bildschirm aufgestellt?

Unterstützung durch Veranstaltungen

Wie das Ergebnis der Umfrage zum Ausdruck bringt, erwarten sich unsere Kollegen von der Kammer sowohl eine Unterstützung beim Auftreten gegenüber den Software-Anbietern als auch eine gute Aus- und Weiterbildung im Bereich der Digitalisierung. Neben den Zukunftsworkshops hat die Akademie der KSW besondere digitale Kurse dieses Jahr im Programm, so z.B. „digital accountant“. Auch wir werden in der VWT-Akademie Veranstaltungen anbieten, die den Erfahrungsaustausch untereinander und mit den vier größten Software-Anbietern (in alphabetischer Reihenfolge: BMD, DATEV, dvo und RZL) ermöglichen. Dazu werden wir Informationsabende veranstalten und hier die Möglichkeiten bieten, den Stand der Digitalisierung mit den Kolleginnen und Kollegen zu erörtern und die weitere Entwicklung kennen zu lernen. Haben Sie keine Berührungsängste, es kommen sowohl „digitale Kollegen“ als auch Kollegen mit weniger Erfahrung bei diesem Thema zu Wort! Es sollen keine Verkaufsveranstaltungen sein, sondern wir werden die Probleme bei der Einführung der digitalen Kanzlei, sei es in technischer Hinsicht oder sei es organisatorischer Art, ansprechen. Als Endergebnis soll die digitale Kanzlei für alle Kollegen möglich sein. Die Entscheidung, dass die Kanzlei das Projekt „go digital“ annimmt, sollte meiner Meinung nach in absehbarer Zeit gefällt werden.

Die Digitalisierung hat mehrere Vorteile; sie bringt eine Arbeitserleichterung für unsere Mitarbeiter, eine Vereinfachung der Abläufe mit möglicherweise in der Folge der geringen Stundenanzahl auf den Aufträgen, bietet den jungen Mitarbeitern einen modernen Job und bietet auch gegenüber unseren Kunden ein besseres, moderneres Erscheinungsbild. Auch für den Berufsstand insgesamt bietet die Digitalisierung die Möglichkeit, Modernität und Professionalität zu vermitteln.

Ich hoffe, wir erreichen mit dieser Initiative viele Kollegen, wobei wahrscheinlich die großen Büros in der Digitalisierung schon weiter fortgeschritten sind als die kleinen Kanzleien und Einzelkämpfer. Die Veranstaltungen können den letzten „Kick“ geben, die Entscheidung „go digital“ doch zu treffen und den Wandel in der Kanzlei auf sich zu nehmen. Die Diskussionen können bei der Entscheidung über die Auswahl eines geeigneten Softwareanbieters helfen oder auch die Angst mindern, den falschen Zeitpunkt für eine solche Umstellung zu wählen.

Ich wünsche mir, dass wir mit unseren Veranstaltungen in den nächsten Monaten alle Kolleginnen und Kollegen unterstützen können und erwarte, dass wir die Digitalisierung im Berufsstand vorantreiben können. Wenn Sie weitere Anregungen und Wünsche zu diesem Thema haben, so schicken Sie uns bitte eine E-Mail. Ihre Anliegen wollen wir gerne aufnehmen.


Ihr Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Vollständiger Artikel

Ausgabe WT 2019-02

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Zeitenwende

Wer hätte sich das gedacht: Eine Krankheit, die zu Jahresbeginn im Fernen Osten für Unruhe sorgte, führte Mitte März zu einem beispiellosen Shut-down und bestimmt nun drei Monate danach noch immer unser Leben. Der Corona-Virus wird auch unseren Sommer-Urlaub und unser weiteres Zusammenleben wesentlich bestimmen. Covid-19 hatte und hat gravierende Auswirkungen auf unser Sozial- und Arbeitsleben.

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Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung: Aktuelle Änderungen

Im sogenannten 4. COViD-19-Gesetz, 24. Bundesgesetz vom 04. April 2020, wurden u.a. auch das 2. COViD-19-Justiz-Begleitgesetz und dort im Artikel 37, iii. Hauptstück, Bestimmungen hinsichtlich der Fristen im Insolvenzverfahren geregelt. Für unseren Berufsstand speziell interessant und wichtig waren dabei die Regelungen des § 9, wonach die Verpflichtung des Schuldners, bei Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzantrags zu stellen, nicht bei einer im Zeitraum vom 1. März 2020 bis 30. Juni 2020 eingetretenen Überschuldung besteht.

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Was tut die EU gegen die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19?

Die Corona-Krise ist die schlimmste Krise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind seither beispiellos. Alle Länder sind gleichzeitig und ohne eigenes Verschulden mit einem massiven Angebots- und Nachfrageschock konfrontiert. Weder Virus noch Rezession machen an Landesgrenzen halt. Da genügt es nicht, wenn jedes EU-Land sein eigenes Süppchen kocht. Wir müssen die Last der Krise miteinander schultern. Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung, finanzielle Solidarität und ein umfassendes Aufbauprogramm inklusive neuer, solidarischer Finanzierungsinstrumente.

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