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Zeitenwende

ZEITENWENDE 1

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wer hätte sich das gedacht: Eine Krankheit, die zu Jahresbeginn im Fernen Osten für Unruhe sorgte, führte Mitte März zu einem beispiellosen Shut-down und bestimmt nun drei Monate danach noch immer unser Leben. Der Corona-Virus wird auch unseren Sommer-Urlaub und unser weiteres Zusammenleben wesentlich bestimmen. Covid-19 hatte und hat gravierende Auswirkungen auf unser Sozial- und Arbeitsleben.

Als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer konnten wir die wirtschaftliche Entwicklung unserer Klienten oft aus der ersten Reihe beobachten. Manche Branchen sind bisher einigermaßen gut durch die Krise gekommen, da sie Produkte des täglichen Bedarfs oder wichtige Dienstleistungen erbringen, während andere Branchen, zum Beispiel der Tourismus und die Gastwirtschaft, empfindliche Einbußen hinnehmen müssen und weitere Änderungen bzw. Erleichterungen auch nicht wirklich absehbar sind.

Im Handel gibt es erhebliche Rückschläge und Umsatzeinbrüche bei einzelnen Produktgruppen, aber es gibt auch Produkte, z.B. Lebensmittel, die weiterhin gut nachgefragt werden. in der industrie gibt es - abhängig von der Branche - empfindliche Rückgänge. Viele Betriebe, die sich gerade noch eines geringeren Rückgangs erfreuen, erwarten für den Herbst erhebliche Umsatzausfälle. Und einzelne Unternehmen sehen bereits pessimistisch in das nächste Jahr, da z.B. Anlageninvestitionen storniert wurden und durch die Sperre der Ämter Baugenehmigungen erheblich verzögert werden.

Wer kennt nicht Freundinnen und Kolleginnen, die leider an Corona erkrankten? Wer kennt nicht Kolleginnen und Kollegen, die bereits gekündigt wurden oder die in Kurzarbeit sind?

Wir Steuerberater haben selten Kurzarbeit angemeldet, da wir von unseren Klienten besonders gefragt waren. Es gab erhebliche Probleme beim Härtefall-Fonds, vor allem bei der Ausgestaltung des Antragsverfahrens und aufgrund der Zuordnung der Zuständigkeit zur Wirtschaftskammer. Und die nächsten Probleme ergaben sich bei der Beantragung des Fixkosten- Zuschusses durch eine überstürzte Programmierung. Wir als Begleiter der kleinen und mittleren Unternehmen wurden leider nicht ausreichend in die Überlegungen zum Verfahren eingebunden.

Leider hat auch das Finanzministerium, welches eigentlich alle notwendigen Daten verfügbar hat (ESt, KöSt, USt), nicht die Führung in der Organisation übernehmen dürfen.

Unsere Kammer wurde nicht im erforderlichen Ausmaß gehört, erst in der Schlussphase - in den letzten Wochen - konnten wir über den Steuerfachsenat und die Landespräsidenten Verbesserungsvorschläge einbringen.

Viele Kolleginnen und Kollegen haben sich unmittelbar für ihre Klienten eingesetzt und bei der Antragstellung mitgewirkt, mussten dann aber doch feststellen, dass die vielen (nachträglichen) Änderungen die Komplexität der Materie enorm erhöhten und sie sich am Schluss in einer Art Hamsterrad wiederfanden, das an den Nerven sägte.

Wenn nun die erste Phase der Ad-hoc-Legistik scheinbar vorüber ist, so wird uns der Härtefall-Fonds und der Fixkosten- Zuschuss noch weiter im Jahr 2020 begleiten. Haarsträubend war der Versuch, die Bestätigung eines gewerblichen Buchhalters jener eines Wirtschaftsprüfers gleichzustellen. Wehret den Anfängen! Nach heftiger Diskussion konnte dies über das Formular weitgehend verhindert werden; wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass die WKO aktuell einen sehr guten Draht zur Bundesregierung hat.

Wenn die Krise vielleicht in ruhigere Fahrwasser kommt, habe ich die Hoffnung, dass auch der Gesetzeswerdungsprozess präziser und fehlerfreier ablaufen wird. Aber es gibt immer wieder Überraschungen: Ganz neu ist der Vorstoß der Regierung in Deutschland, die Mehrwertsteuer generell bis Jahresende 2020 herabzusetzen.

Auch in Österreich wurde diese Woche die idee geboren, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie zu reduzieren. Die ersten Reaktionen von Experten und auch von Wirtschaftsforschern verheißen aber nichts Gutes, denn der Aufwand bei der Etikettierung der Waren und der Umprogrammierung der Software könnte höher als angenommen sein. Last but not least wird die Umsatzsteuerverprobung für 2020 spannend aufgrund der unterjährigen Umstellung und Veränderung der Kontenzuordnungen. Die Kontrolle der Umsatzsteuer wird auch die Finanzverwaltung vor erhebliche Herausforderungen stellen.

inständig hoffe ich, dass unsere Klienten in der Krise unsere Honorarnoten am Schluss bezahlen werden. Das wird sich erst im Spätherbst herausstellen. ich wünsche ihnen, dass Sie über die Sommermonate Gelegenheit haben, sich ein wenig zu erholen, damit Sie Kraft und Geduld mit ihren Klienten einerseits und der Legistik andererseits haben!

ZEITENWENDE 2

2020 ist auch ein Jahr der Zeitenwende für unsere Kammer: Bei der Kammerwahl im März ist Klaus Hübner nicht mehr als Spitzenkandidat für die ÖGSW angetreten. im konstituierenden Kammertag am 20. Mai wurde Herbert Houf als neuer Kammerpräsident gewählt. Peter Bartos, der vormalige Wiener Landespräsident, ist neu in das Kammerpräsidium eingezogen. Wir wünschen ihnen beiden alles Gute für die kommenden fünf Jahre. Franz Schmalzl und ich bleiben weiterhin im
 
Kammerpräsidium. Großen Dank möchten wir an die beiden Kollegen Franz Priester und Thomas Kölblinger richten, die aus dem Präsidium ausgeschieden sind. Sie haben gute Arbeit in den vergangenen fünf Jahre geleistet, auf der wir aufbauen können.

Die Veränderung in der Kammer wurde schon in der ersten Sitzung von Herbert Houf angestoßen: Mit externer Unterstützung soll die Ausrichtung der Kammer und des Kammeramts überdacht werden. Aufgrund der Krise ist evident, dass viele Kolleginnen mit der Servicefunktion der Kammer in den vergangenen Wochen nicht zufrieden waren. Eine Arbeitsgruppe soll neue Ansätze erarbeiten und die Digitalisierung des Kammeramts weiter voranbringen. Vielleicht ergeben sich auch ganz neue Möglichkeiten für die Servicefunktion der Kammer.

Mit Sicherheit bedarf es eines starken digitalen Schubs, um unseren Kollegen bei neuen Themen und Abläufen zu unterstützen. Ein wesentlicher Punkt der nächsten Monate ist wieder die Abwehr der gewerblichen Buchhalter, die in der WKO sehr gut vertreten sind und aufgrund des Präsidenten gut bei der Bundesregierung verankert sind.

Wir müssen dagegen halten und uns auch als Vertreter der kleinen und mittleren Unternehmen präsentieren, die sowohl den Unternehmen Verwaltungsarbeiten abnehmen als auch gleichzeitig für die Finanzbehörden und andere Ämter die zu meldenden Daten einer Vorkontrolle unterziehen. Eigentlich eine gute Ausgangsposition in beide Richtungen.

Ihnen geschätzte Leserinnen und Leser wünsche ich einen schönen Sommer, in dem Sie Kraft tanken können. Kommen Sie gesund, tatkräftig und geduldig zurück!

Mit kollegialen Grüßen,
Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2020-03

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VWT News

Der unvergessliche Sommer

So wie es aussieht, wird uns Corona noch längere Zeit beschäftigen. Wir Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sehen das wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Expertise und die Unterstützung durch uns und unsere Mitarbeiter ist sehr stark gesucht. Zum einen wegen der anhaltenden Kurzarbeit und ihren Problemen im Detail, zum anderen aufgrund des Härtefall-Fonds und nunmehr vor allem aufgrund des Antrages für einen Fix-Kostenzuschuss gemäß COVID-19-Gesetz an die COFAG-Agentur.

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VWT News

Der Wirtschaftsprüfer – weiterhin im Gerede!

Was man aus Wirecard und Commerzialbank Mattersburg lernen sollte:

Der Sommer 2020 wird zweifellos neben Corona auch wegen zweier besonderer Finanzskandale in die Geschichte der Jahreszeiten eingehen.

Beide Skandale, sowohl Wirecard in Deutschland als auch Commerzialbank Mattersburg in Österreich, sind durch vielfältige Medienberichte seit etwa Ende Juni/Mitte Juli bis dato insoweit bekanntgemacht worden, als offenbar unglaubliche, vorsätzliche und seit vielen Jahren anhaltende Fälschungen zu offenbar unrichtigen Bilanzen und Testaten geführt haben, dass in der Tat die Öffentlichkeit zu Recht das Vertrauen in geprüfte Jahresabschlüssen verlieren könnte.

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Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung: Aktuelle Änderungen

Im sogenannten 4. COViD-19-Gesetz, 24. Bundesgesetz vom 04. April 2020, wurden u.a. auch das 2. COViD-19-Justiz-Begleitgesetz und dort im Artikel 37, iii. Hauptstück, Bestimmungen hinsichtlich der Fristen im Insolvenzverfahren geregelt. Für unseren Berufsstand speziell interessant und wichtig waren dabei die Regelungen des § 9, wonach die Verpflichtung des Schuldners, bei Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzantrags zu stellen, nicht bei einer im Zeitraum vom 1. März 2020 bis 30. Juni 2020 eingetretenen Überschuldung besteht.

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