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Der Wirtschaftsprüfer – Weiter im Gerede?

Wann endlich beginnt die KSW mit strategischen Gegenmaßnahmen?

Im ECONOMIST-Teil der „Die Presse“ von Mittwoch, 12. Juni 2019 wird groß getitelt: „Klage gegen Wienwert-Gutachter. (Prozess. Die Pleite der Immobiliengruppe hat auch zivilrechtliche Folgen: Masseverwalter N.N. klagt mehrere Wirtschaftsprüfer auf Millionen Schadenersatz)“.

Aus dem Text des fast ganzseitigen Beitrags erfährt man, dass „der Masseverwalter N.N., der nach Durchforstung von Tonnen Datenmaterial der Wienwert-Gruppe in seinem Abschlussbericht allen Beteiligten ein vernichtendes Urteil ausspricht (…), wie angekündigt nun auch die Wirtschaftsprüfer in die Pflicht nimmt, die bei Wienwert als Bilanzprüfer sowie mit diversen Gutachten zugange waren“.

Aus dem weiteren Text kann man entnehmen, dass der Masseverwalter in diesen Causen insgesamt gegen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer eine Summe von 15,95 Millionen Euro an Schadenersatz fordert, wobei – wie aus dem Zeitungstext ersichtlich ist – den Gutachtern schwere methodische und rechnerische Fehler sowie die daraus folgende unrichtige Bewertung vorgeworfen werden, bzw. auch der Umstand, Gutachtenswerte „ohne selbst Prüfungen, Hinterfragungen oder eine Bewertung ordnungsgemäß durchzuführen“ mehr oder weniger ungeprüft „nacherzählt und übernommen zu haben“.

Allfällige Verfehlungen der Vorstände werden in diesem Bericht wohl auch behandelt – aber eher rudimentär.

Eindeutig erkennbar ist, dass das Ziel der medialen Berichterstattung das angebliche Fehlverhalten der Wirtschaftsprüfer ist.

Nach meinem Dafürhalten haben wir es hier vor allem mit zwei Problemkreisen zu tun:

  • zum einen wohl vordergründig mit einem Image-Problem
    und
  • zum anderen wohl mit einem Schadenersatz-, Haftpflichtversicherungsproblem der Wirtschaftsprüfer.

Man kann Medien wohl nicht verbieten in dieser oder ähnlicher Art und Weise gegen Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer zu schreiben. Man kann aber sehr wohl dafür sorgen, dass solche Vorwürfe in den Medien nicht zu einem weiteren Imageschaden führen, sondern das Image des Wirtschaftsprüfers durch geeignete Medienarbeit entsprechend gefestigt ist, und solche Vorwürfe gegen Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer mehr oder weniger ergebnislos abprallen.

Dieses Image hat sehr wohl mit dem Arbeits- und Aufgabeninhalt der Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer zu tun, nach welchen Grundsätzen Abschlussprüfungen, genauso wie Bewertungen etc. durchgeführt werden – sowie auch immer die nachgelagerte Funktion der Wirtschaftsprüferin und des Wirtschaftsprüfers nach dem Mandanten!

Woher – wenn nicht durch die Kammerarbeit der KSW – hätte der Wirtschaftsprüfer solche und ähnliche Kriterien in die Öffentlichkeit zu bringen?

Solche geeignete Imagemaßnahmen vermisse ich – wie wohl auch die geneigte Leserin und der geneigte Leser – des längeren seitens der KSW, obwohl ich diese im Rahmen meiner Leitartikel immer wieder und vehement gefordert habe.

Nun ist wieder einmal etwas passiert, das Image weiter angepatzt und der Berufsnachwuchs bei seiner Berufswahl naturgemäß vor den Kopf gestoßen!

Ich möchte allfälliges Fehlverhalten der Experten nicht exkulpieren – es ist allerdings noch nicht gerichtlich festgestellt!

Dazu kommt die Verschwiegenheitspflicht, die es der Wirtschaftsprüferin und dem Wirtschaftsprüfer nahezu unmöglich macht, sich in der Öffentlichkeit gegen solche und ähnliche Schadenersatzbehauptungen zur Wehr zu setzten.

Geeignete Gegenmaßnahmen können meiner Meinung nach nur prophylaktisch wirken, in dem man in die Ausbildung, in die laufende Aus- und Weiterbildung der Wirtschaftsprüfer unermesslich investiert, indem man schon in der Berufsausbildung Wert darauf legt, dass das gesamte Wissen ständig parat zu sein hat und nicht durch modulartige Detailprüfungen seitens der Prüfungskommission abgefragt wird, und des Weiteren aber – und das vor allem – durch einen geeigneten Imageträger in der Öffentlichkeit – durch KSW und IWP!

Natürlich unterstützt solche Meldungen in den Medien auch unser Haftpflichtversicherungssystem, auf das wir zu Recht stolz sind, und das auch eine maßgebende Entlastung der Kollegen bedeutet, welches aber auch Masseverwalter geradezu herausfordert, entsprechend hohe Schadenersatzanforderungen zu stellen, weil der Masseverwalter davon ausgehen kann, dass bei Fahrlässigkeit, auch bei grober – nicht aber bei Vorsatz – ein von einer Haftpflichtversicherung gedecktes Schadenersatzvolumen bereitgestellt wird.

Wir haben also einen Spagat zu bestehen, zum einen zwischen angepatztem Image und zum anderen zwischen einem – noch – beruhigenden Haftpflichtversicherungssystem, welches zumindest vorsieht, dass die Existenz der Berufsangehörigen nicht unmittelbar durch solche Angriffe gefährdet wird.

Wenn allerdings Vorsatz oder auch bedingter Vorsatz nachgewiesen würde, ist es mit der Deckung der Haftpflichtversicherung vorbei und droht wohl der finanzielle Ruin.

Solche Anlässe müssen schon dazu herhalten, auch seitens der KSW und des IWP an geeignete Verbesserungen des Haftpflichtversicherungssystems zu arbeiten, damit nicht nahezu automatisch die Masseverwalter bei Konkursen und Insolvenzen medienwirksam auf die Versicherungssumme greifen.

Erfahrungsgemäß enden solche Prozesse mit Vergleichen, da die Berufskollegin und der Berufskollege einerseits hohes Interesse hat, aus den Medien zu kommen, und die Versicherungen ein genauso hohes Interesse haben, solche Verfahren nach Tunlichkeit „sparsam und billig“ zu beenden.

Aus meiner Zeit als Claims-Manager einer multinationalen WP-Organisation weiß ich aber auch, welchen hohen nervlichen Belastungen die betroffenen Wirtschaftsprüfer, Gutachter, Steuerberater, einfache Berufskolleginnen und Berufskollegen ausgesetzt sind, und in welchem Stress diese die tägliche Arbeit verrichten müssen.

APROPOS MEDIEN

Es ist doch seltsam, dass offenbar Masseverwalter keine Schranken in der Information der Allgemeinheit hinsichtlich allfälliger Schadenersatzprozesse in ihrem Berufsethos haben! Die gegenständliche Berichterstattung zeigt wieder auf, dass es in solchen Fällen wohl keine „Waffengleichheit“ zwischen dem Berufsstand der Rechtsanwälte/Masseverwalter und dem Berufsstand der Wirtschaftsprüfer gibt. Dafür einzutreten wäre wohl auch Aufgabe der KSW!

Es ist nun schon klar, dass dort, wo tatsächlich geschludert worden wäre, entsprechender Ersatz zu leisten ist.

Es ist aber auch klar, dass dies eine Sache zwischen geschädigter Gesellschaft, Anlegern und eben dem allfälligen Schädiger ist, und nicht eine Sache der Öffentlichkeit sein darf!

Mag. Dr. Alfred Brogyányi
Geschäftsführer VWT GmbH,VWT Ehrenpräsident

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Ausgabe WT 2019-03

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