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Gleichberechtigung & Diversität

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Gleichberechtigung und Diversität sind aktuell - aufgrund des „Pride Monats“ Juni - in den Nachrichten weit oben. Der Höhepunkt dieses Monats war wohl die „Pride Parade“ letztes Wochenende in Wien, wo rund 200.000 Zuseher den Umzug auf der Ringstraße verfolgten. Es war ein buntes, schrilles Volksfest mit moderner Musik für die jüngere Bevölkerung. Die Themen und Wagen waren breiter aufgestellt als in der Vergangenheit zur Zeit der Loveparade. Vor allem die Gleichberechtigung aller Geschlechter und die Vielfalt sind nunmehr im Vordergrund der Darstellungen.

Zuletzt haben wir auch im Kammervorstand über dieses Thema diskutiert, ob wir unsere Kammer KSW als eine der ersten der Kammern in Österreich gendergerecht umbenennen wollen und statt Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer oder Kammer der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung die Kammer (und dann in der Folge auch die Akademie ASW) nicht mit
„Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen“ bezeichnen. Das wäre in der neuen Schreibweise mit dem Doppelpunkt anstelle des Binnen -I oder des Sternes.

Die Diskussion war leider heftig und auch ein wenig kontroversiell, wie es für ein selbstverständliches Thema nicht sein sollte. Eine Fraktion hat nun auch noch eine Umfrage gestartet, um das Thema behandeln zu können. Interessant, dass die Kollegen nicht wissen, ob das Thema relevant ist und zweitens sich nicht trauen auch eine selbstverständliche Meinung zu vertreten. Wir von der VWT sind jedenfalls für die Umbenennung der Kammer und wollen hier dem aktuellen Trend folgen und ein klares Statement zum Ausdruck bringen. Leider ist für eine rasche Umbenennung der Kammer die Gesetzgebung noch nicht weit genug fortgeschritten und wir benötigen noch eine Novelle des WTBG, damit unsere Kammer umbenannt werden kann. Der Überbegriff „Wirtschaftstreuhänder“ soll aber weiterhin bestehen bleiben, da auf diesen Begriff noch in vielen anderen Gesetzen referenziert wird.

Bei unserem Betriebsausflug vergangene Woche waren die weiblichen Kolleginnen in der klaren Überzahl. Nur in einzelnen Gremien, nämlich in jenen, wo die älteren Altersgruppen gut vertreten sind, sehe ich noch einen männlichen Überhang. Ich denke, dass in den nächsten (maximal zehn) Jahre aufgrund der Pensionierung und der demografischen Entwicklung sich auch in diesen Gremien die Zusammensetzung ändern wird und wir damit überall - in beiden Berufsgruppen - eine weibliche Mehrheit haben werden.

Aber so lange wollen wir nicht warten und können mit der Umbenennung der Kammer und der Akademie rasch ein Zeichen setzen. Nach dem Kammertag und dem Kammeramt sind auch alle Kanzleien - sowohl große und kleine Kanzleien, in den Städten und in den Regionen – gefordert, hier mitzumachen und sich dementsprechend anzupassen.

Die Gleichbehandlung ist ganz wichtig im Bereich equal pay. Bei gleichem Wissen und Berufserfahrung darf das Geschlecht keine Auswirkung auf die Gehaltshöhe haben. Dies sollte meiner Meinung nach eine leichte Übung sein. Schwieriger könnte es schon sein, wenn die Karriereentwicklung betrachtet wird und bei einer jungen Kollegin oder Kollegen vielleicht die einer oder andere Pause - egal welches Geschlecht - gewünscht wird und sich damit vielleicht eine geringere Berufserfahrung im weiteren Verlauf einstellt. Aber auch hier müssen wir uns bemühen, keinen Unterschied zu machen. Auch das Thema Teilzeit-Arbeit sollte in der Post Corona - Phase kein Thema mehr sein, denn es werden nur mehr ganz selten alle Mitarbeiter gleichzeitig im Büro anwesend seien.

Das Thema Teilzeit wird auch in den nächsten Kollektivvertragsverhandlungen Bestandteil der Diskussion sein, wenn wir das Argument der Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Wochenstunden mit dem sehr häufig genannten Wunsch der jungen Mitarbeiter auf eine 30-Stunden-Woche entgegnen wollen. Teilzeit und Home Office sind Bestandteile der New Work - Arbeitswelt nach Corona. Bei den Themen Arbeitszeit, Gehaltshöhe und Arbeitsbedingungen müssen wir Steuerberater:innen dem aktuellen Trend folgen, um genügend Mitarbeiter:innen für unsere Kanzleien zu finden. Sonst haben wir in der Zukunft ein veritables Problem und können unsere Fristen und Quoten nicht erfüllen und zudem nicht mehr zeitgerecht auf die Anliegen und Wünsche unserer Klient:innen eingehen.

Das drückende Problem der Suche nach weiteren Mitarbeiter:innen können wir nur durch eine moderne Ausrichtung des Berufsstandes einigermaßen lösen. Da müssen alle mitmachen!

Ich schlage auch vor, dass wir „Tage der offenen Türen“ in unseren Kanzleiräumen machen, damit die jungen Absolvent:innen von Schulen und Universitäten auch Interesse für unseren Berufsstand bekommen und einmal „kurz und unverbindlich“ in unsere Büros hineinschauen können. Auch andere Interessensvertretungen forcieren das Thema der „Tag der offenen Tür“, um hier den jungen Schüler:innen und Student:innen ihre Berufe interessant und schmackhaft zu machen. Das nennt sich alles insgesamt auf neudeutsch „Employer Branding“ und muss auf jeden Fall von der Kammer, aber auch von unseren einzelnen Kanzleien in den nächsten Monaten gespielt werden.

Nur so haben wir eine Chance, im zunehmend heftigeren Kampf um neue Mitarbeiter:innen Erfolg zu haben, der ganz essenziell ist für den Fortbestand unserer Berufsgruppe. Wer konnte sich vor ein paar Jahren vorstellen, dass eine Kanzlei schließen muss, weil sie keine Mitarbeiter:innen findet? In diesem Sinne fand ich es auch sehr originell, dass eine der großen Big4-Gesellschaften einen eigenen Lastwagen bei der Pride Parade bespielt hat und am Umzug teilnahm, um ein modernes Image zu pflegen. Die Gesellschaft war nicht das einzige große Beratungsunternehmen, auch Unternehmen aus der Dienstleistungs- und IT-Branche waren vertreten und nutzten die Veranstaltung vor großem Publikum für Employer Branding.

Eventuell wäre das auch ein gangbarer Weg für unsere Kammer im nächsten Jahr! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer mit vielen neuen Ideen! Kommen Sie gut erholt zurück, denn im Herbst wartet weiterhin viel Arbeit auf Sie!

Alles Gute,
Ihr Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2022-03

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