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Herausforderungen!

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

das Jahr 2020 ist schon weit fortgeschritten, aber eine Erkenntnis zeichnet sich beim Schreiben dieser Zeilen schon ab, dass es ein besonders herausforderndes Jahr sein wird, an das Sie sich wahrscheinlich noch lange erinnern werden. Andere meinen auch schlicht: „ein Jahr zum Vergessen“.

Mit dem Beginn des zweiten Lockdown im November und den eher trüben Aussichten auf den weiteren Winter ist gewiss, dass COVID-19 die wirtschaftliche Entwicklung auf der ganzen Welt höchst negativ beeinflusst und dass das Jahr 2020 wahrscheinlich einen zweistelligen Rückgang bei der Wirtschaftsleistung Österreichs bringen wird.

Dieser Rückgang trifft fast alle, nur manche Branchen können sich über höhere Umsätze freuen. Wir Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gehören wahrscheinlich auch zu den Gewinnern, aber es gibt auch KollegenInnen, die sich in früheren Jahren auf bestimmte Branchen spezialisiert haben und nun zusammen mit ihren Klienten unter der COVID-19 Krise leiden. Fraglich für alle ist, ob alle unsere Honorarnoten schlussendlich bezahlt werden können. Hoffen wir das Beste!

Wir konnten und können auch im vierten Quartal unsere Klienten bei der Abwicklung der Kurzarbeit gut betreuen. Hier ist viel zu tun und führt zu einer guten Auslastung unserer Abteilungen für Personalverrechnung. Auch der neue November- Umsatzersatz ist wieder eine gute Möglichkeit, unsere Klienten in einer schwierigen Phase zu unterstützen.

ZUSCHÜSSE

Positiv am neuen November-Umsatzersatz fällt auf, dass das Finanzministerium wieder im Fahrersitz bei der Konzeption von Förderungen und Zuschüssen Platz genommen hat und in der Wertschätzung des Bundeskanzlers gestiegen ist.

Im Frühjahr 2020 war noch die Wirtschaftskammer sehr dominant und hat im Ergebnis verlangt, dass Daten, die bereits bei der Finanzverwaltung verfügbar und in FinanzOnline abrufbar waren, nochmals übermittelt werden mussten. Ich finde auch die Konzeption des November-Umsatzersatzes denkbar einfach. Das hilft der Vorweg-Berechnung und der administrativen Abwicklung enorm. Leider muss man aber – wie schon mehrfach in diesem Jahr – zwischen den Pressemitteilungen, die unreflektiert in den Medien wiedergegeben werden, und der Praxis anhand der Verordnung und der Erläuterungen unterscheiden.

Im Detail gibt es doch Abweichungen und Überraschungen. Unklar ist mir vor allem, warum der Zuschuss vom Umsatz und nicht vom Rohüberschuss berechnet wird. Aber vielleicht wird sich auch diese Frage in der Praxis klären.

Beim Fixkostenzuschuss gab es immer wieder Nachfragen und Warteschleifen. Bei einem Klienten habe ich sechs Wochen gewartet, bis nach drei Fragerunden endlich der Zuschuss gewährt wurde. Ich hoffe, dass es Ihnen mit den Anträgen Ihrer Klienten besser ergangen ist. Leider stoßen diese Ergänzungsfragen bei unseren Klienten auf komplettes Unverständnis angesichts der Krise und des Liquiditätsbedarfs in außerordentlichen Zeiten.

FORTBILDUNG

COVID-19 macht auch die Fortbildung für dieses Jahr zur Herausforderung.

Im Oktober hat unsere Fachtagung Seefeld erfreulicherweise doch stattgefunden und wir konnten hier 50 Kolleginnen und Kollegen im Saal und weitere 100 online herzlich begrüßen. Auch die Jahrestagung des Instituts österreichischer Wirtschaftsprüfer (iwp) fand heuer hybrid statt.

Neben vielen Teilnehmern im Saal, die auch das Pausengespräch suchten, waren noch deutlich mehr online dabei.

Bei beiden Veranstaltungen hat sich gezeigt, dass professionelle Kamerateams notwendig sind, um den Zusehern online eine gute und interessante Veranstaltung, vergleichbar mit dem Fernsehen, zu bieten.

Ich glaube daher, dass sich das online-Seminarwesen aufspalten wird in zum einen professionelle Veranstaltungen, die hybrid mit guter Kameraführung und quasi Film-ähnlicher Schnittführung aufwarten können, und zum anderen in Seminare, die quasi nur aus Präsentations-Folien ohne Tonspur bestehen. Zweitere gehen damit eigentlich in Richtung Selbststudium wie mit einem Buch.

Den jeweiligen Lerneffekt der Fortbildungsmaßnahme muss jeder einzelne an sich beobachten, ob er beim Ablauf eines Videos nebenbei auch ausreichend Wissen vermittelt bekommt oder ob es nicht doch besser ist, voll aufmerksam zu einer gesonderten Zeit sich einem neuen Thema oder neuen Fragestellungen zu widmen.

Spannend in der Zukunft wird sein, dass mit Sicherheit nicht alle das gleiche wollen und auch nicht gleich gut damit arbeiten können. Ich glaube daher, dass es im Bereich der Veranstaltungen und Seminare eine Pluralität geben wird.

Wir von der VWT werden auf jeden Fall das Beste geben, um Sie mit Seminaren auch in mühsamen Zeiten unterstützen zu können.

KAMMERPRÄSIDIUM

Aus dem Präsidium der KSW gibt es nach dem intensiven Wahlkampf im ersten Quartal 2020 nun weniger zu vermelden. Dies liegt wohl auch ein wenig an den COVID-19-Auswirkungen, da die Anzahl der Besprechungen und Veranstaltungen deutlich gesunken ist.

Schön, dass schon vieles hybrid funktioniert, wobei ich aber die reinen online-Veranstaltungen präferiere. Das Strategie-Projekt 2025 der Kammer wurde aufgesetzt und der Lenkungsausschuss eingerichtet. Die Arbeit hat begonnen und die ersten Interviews werden nun geführt. Die Ergebnisse werden aber nicht vor Jahresmitte 2021 vorliegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Übersiedlung der Kammer und der Akademie vom U4-Center in der Meidlinger Hauptstraße zum QBC am Hauptbahnhof in Wien. Diese Übersiedlung wird im März oder April 2021 stattfinden, wobei Kammer und Akademie mehr oder weniger gleichzeitig übersiedeln werden. Ich freue mich schon auf die neuen Räumlichkeiten, die schöner und größer (mehr Luft) sind als bisher, eine zeitgemäße, video-fähige Ausstattung haben und sich durch eine wesentlich bessere Erreichbarkeit auszeichnen. Hoffentlich können wir im zweiten Quartal dann eine Post-Corona-Eröffnungsfeier machen!

Ich hoffe, Sie halten Anfang Dezember das WT FACHJOURNAL in Händen. So kann ich Ihnen einen besinnlichen Advent wünschen. Eine „ruhige Zeit“ wird der Advent dieses Jahr wohl allemal.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Ruhe für die Weihnachtsfeiertage, die 2020 in einem komplett anderen Setting ablaufen werden. Der wichtigste Wunsch aber ist: Bleiben Sie gesund, Sie und Ihre Familie und Ihre Freunde! Erholen Sie sich und schöpfen Sie Kraft für vielleicht ein weiteres anstrengendes Jahr 2021!

Alles Gute!
Ihr Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2020-05/06

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VWT News

KFS / PG3 – im Widerstreit mit dem UGB?

Unterschiedliche Ansätze zum Going Concern im UGB und Fachsenat

Am 3.11.2020 wurde von der Kammer für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer das Fachgutachten KFS/PG3 des Fachsenats für Unternehmensrecht und Revision versandt:

Erteilung von Bestätigungsvermerken nach den Vorschriften des UGB bei Abschlussprüfungen von Jahres- und Konzern- abschlüssen

Das Fachgutachten wurde im Fachsenat zuletzt im Oktober 2020 überarbeitet; eine Genehmigung der APAB liegt vor.

mehr erfahren: KFS / PG3 – im Widerstreit mit dem UGB?

VWT News

Der unvergessliche Sommer

So wie es aussieht, wird uns Corona noch längere Zeit beschäftigen. Wir Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sehen das wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Expertise und die Unterstützung durch uns und unsere Mitarbeiter ist sehr stark gesucht. Zum einen wegen der anhaltenden Kurzarbeit und ihren Problemen im Detail, zum anderen aufgrund des Härtefall-Fonds und nunmehr vor allem aufgrund des Antrages für einen Fix-Kostenzuschuss gemäß COVID-19-Gesetz an die COFAG-Agentur.

mehr erfahren: Der unvergessliche Sommer

VWT News

Der Wirtschaftsprüfer – weiterhin im Gerede!

Was man aus Wirecard und Commerzialbank Mattersburg lernen sollte:

Der Sommer 2020 wird zweifellos neben Corona auch wegen zweier besonderer Finanzskandale in die Geschichte der Jahreszeiten eingehen.

Beide Skandale, sowohl Wirecard in Deutschland als auch Commerzialbank Mattersburg in Österreich, sind durch vielfältige Medienberichte seit etwa Ende Juni/Mitte Juli bis dato insoweit bekanntgemacht worden, als offenbar unglaubliche, vorsätzliche und seit vielen Jahren anhaltende Fälschungen zu offenbar unrichtigen Bilanzen und Testaten geführt haben, dass in der Tat die Öffentlichkeit zu Recht das Vertrauen in geprüfte Jahresabschlüssen verlieren könnte.

mehr erfahren: Der Wirtschaftsprüfer – weiterhin im Gerede!