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Zum Start in den Herbst

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich hoffe, Sie haben den Sommer gut verbracht und starten voll Elan in das Ende der Bilanz-Saison 2020 beziehungsweise auch in die Erklärungs-Saison 2020. Vielleicht haben Sie aber auch noch Probleme mit einzelnen Erklärungen für das Kalenderjahr 2019, denn die Corona-Krise ist noch lange nicht vorbei. 

Wir Steuerberater sind weiterhin gefordert für unsere Klienten die COVID-19-Zuschüsse, Umsatzersatz und Ausfallsbonus umfassend und rechtzeitig zu beantragen. Oder wir unterstützen bei den Anträgen zur Kurzarbeit, nunmehr schon in Phase 5. In vielen Fällen werden wir auch gebeten, aus den zur Verfügung stehenden Förderungsinstrumenten das bestmögliche Programm für unseren Klienten auszuwählen. Dies ist ein äußerst schwieriges Thema und verlangt meist umfangreiche Vergleiche, oft auch in einem hohen Detaillierungsgrad. Das Ergebnis wird vom Klienten geschätzt, jedoch selten auch in voller Form honoriert. 

Zu diesen weiterhin wichtigen Themen Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz und Ausfallsbonus haben wir die letzten Informationsabende online abgehalten. Die vortragenden Experten konnten auf die wichtigsten Fragen Antworten geben und halfen so vielen Kolleginnen und Kollegen. 

Die zahllosen Fragen im Chat haben wir jeweils gesammelt und werden diese über die Arbeitsgruppen zu den COVID-19-Fragen an die COFAG bzw. an das Finanzministerium weitergeben. Aufgrund der hohen Nachfrage werden wir diese online-Abende auch im Herbst fortsetzen. Auch bei der Seefelder Fachtagung Anfang Oktober werden wir uns den aktuellen Themen widmen. 

Ein anderes Thema wird uns aber noch länger beschäftigen: Das ist die Suche nach MitarbeiterInnen. Wie geht es Ihnen bei diesem Thema? 

Viele Kolleginnen und Kollegen sagen regelmäßig, sie seien überlastet und bräuchten Hilfe, fänden aber keine entsprechenden MitarbeiterInnen. Diese Mangel-Situation verschärft die Lage in unseren Kanzleien. Ausreichend interessierte MitarbeiterInnen – egal an welcher Stelle, sei es Manager oder Back office – sind fast nicht zu finden. 

Der Wettbewerb um den Nachwuchs wird dann zumeist über das Gehalt oder die Anzahl der Wochenstunden geführt. Kanzleien, die einen professionellen Social Media-Auftritt haben, sind bei der jungen Generation regelmäßig im Vorteil. Viele kleine Kanzleien können sich Social Media nicht leisten oder haben nicht den richtigen Zugang zu diesen neuen Medien, so dass sie gegenüber den anderen, „moderneren“ Kanzleien ins Hintertreffen geraten. 

Es ist ein Phänomen der Zeit, dass sich die Einstellung zur Arbeit gewandelt hat. Durch die Corona-Pandemie hat sich diese Entwicklung offensichtlich weiter beschleunigt. In vielen Aufnahmegesprächen ist das Kunstwort „Work-Life-Balance“ ein interessantes und wichtiges Gesprächsthema. Wie geht es Ihnen dabei? Verblüffend finde ich, wenn die grundsätzliche Einstellung zu Beruf(-ung) und Karriere plötzlich ganz anders als in der Vergangenheit geschildert wird. Da könnte man selbst nachdenklich werden. 

Die Lösung dieses Problems könnte u.a. darin bestehen, dass bestimmte Tätigkeiten nicht mehr auf nur einer Schulter, sondern auf mehreren aufgeteilt werden, damit der Erwartungsdruck und der Arbeitsstress nicht zu hoch werden. Natürlich erhöht dies insgesamt die Lohnkosten, könnte aber auch Vorteile hinsichtlich Übergaben und Einschulungen bei Wechseln von Mitarbeitern im Team mitsichbringen. 

Neben der Work-Life-Balance ist die Erwartungshaltung der jungen Generation auch eine angenehme Atmosphäre im Büro mit möglicherweise einigen günstigen Zusatznutzen wie Geschenken, Feiern und Ausflügen. 

Auch bei diesem Thema können kleine Kanzleien diesen nicht liefern und müssen auch im Vergleich mit den großen Netzwerken Absagen in Kauf nehmen. Wir von der vwt werden diese Entwicklung beobachten, unsere Erfahrungen austauschen und versuchen mit entsprechenden Veranstaltungen und Seminaren zu helfen bzw. auch einen Interessensausgleich zwischen den jungen und den arrivierteren Kolleginnen und Kollegen in Gang zu bringen. 

Die Kammer ist jedenfalls gefordert, mehr Werbung für unsere Berufsgruppen bei den Jungen zu machen. Nicht nur die Startup- Unternehmen bieten interessante Jobs an, nein, auch unsere beiden Berufsgruppen, da man durch eine abwechslungsreiche Tätigkeit viele Unternehmen in kurzer Zeit gut kennenlernt und sich damit einen guten Überblick über die verschiedenen Branchen und deren weitere Entwicklung verschafft. 

Die Kammer muss auch Werbung an den Fachhochschulen und an den Universitäten platzieren, gerne auch an den HAK und HASCH des Landes, denn wir benötigen MitarbeiterInnen verschiedenster Qualifikation, von der Personalverrechnung über Bilanzbuchhalter bis zu Steuerberatern. 

In der Wirtschaftsprüfung werden auch AbsolventInnen neuer, nicht einschlägigerer Studienrichtungen angesprochen. Dies ist meiner Meinung höchst sinnvoll im Zeitalter des digitalen Umbruchs in der Wirtschaftsprüfung. 

Mittelfristig sehe ich auch einen Mangel an Kandidatinnen und Kandidaten, die als geeignete Nachfolger Interesse an der Übernahme einer Kanzlei haben. Die sogenannten Baby-Boomer (Geburtsjahrgänge 1955 – 1964) werden bald in Pension gehen und dann wird es einen deutlichen Rückgang der Anzahl der Kanzleien geben, wenn viele Kolleginnen und Kollegen keine geeigneten Nachfolger finden. Auch aus diesem mittelfristigen Grund muss die Kammer mehr Interesse für unsere beiden Berufsgruppen wecken. 

Zu denken gab mir Anfang August der Besuch im Freilichtmuseum Großgmain bei Salzburg. Auf einer Informationstafel zu den damaligen Arbeitsverhältnissen in der Landwirtschaft war ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1948 wiedergegeben wie folgt: 

„Unbestreitbar ist, dass derzeit die gänzlich unbefriedigenden Lohnverhältnisse die Hauptursache der Abwanderung aus der Landwirtschaft darstellen. Man muss daher in erster Linie dem Bauern die Möglichkeit geben, seine Arbeitskräfte entsprechend zu entlohnen, seinen Arbeitskräften eine entsprechende Behausung zu bieten, durch die Einstellung genügender Arbeitskräfte die Arbeitszeit verkürzen und durch den Ankauf aller nur irgendwie brauchbarer Maschinen die Schwere der Landarbeit zu mindern.“ 

70 Jahre später wissen wir, wie sich die Landwirtschaft entwickelt hat. Stehen wir vor einem ähnlichen Problem? Überlegen wir uns Maßnahmen zu den Punkten eins und vier der Aufzählung! 

Ich hoffe, wir können uns zu diesem wichtigen Thema im Oktober in Seefeld austauschen und wünsche Ihnen weiterhin Gesundheit!

Ihr Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2021-04

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Zeit zum Nachdenken

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich hoffe, es ist sommerlich warm, wenn Sie diese Ausgabe zur Hand nehmen, und Sie können kurz innehalten. Wir Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind weiterhin sehr gut ausgelastet und…

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