Sie befinden sich hier:

Hauptinhalt

Zur aktuellen Lage

SEHR GEEHRTE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN,

die Kammerwahl ist vorüber und hat leider für die VWT nicht das von uns gewünschte Ergebnis gebracht. Dies ist zur Kenntnis zu nehmen und unsere Selbstreflektion hat zu beginnen. Das ungünstige Ergebnis ist auch in den Verhandlungen zur Besetzung der Gremien in der Kammer für die nächste Funktionsperiode zu berücksichtigen.

Wir hatten zu Beginn des Jahres 2019 ein Programm von neun Punkten erstellt und über dieses in den letzten Ausgaben des WT Fachjournal und auch sehr intensiv per E-Mail mehrfach berichtet. Dieses Programm war deswegen besonders sachlich gestaltet, da wir Steuerberater und Wirtschaftsprüfer doch sehr fachbezogen, rechtlich bestimmt und strukturiert in unserem Beruf tätig sind.

Aus diesem Grund war es die Überlegung, dass wir mit einem strukturierten, sachlich profunden Programm das Interesse der Kolleginnen und Kollegen wecken und mit diesen Punkten in einen Dialog treten könnten.

Ohne diese neun Punkte zu wiederholen, hatten wir alle Aspekte einer Kanzlei abgedeckt, denn wir betrachteten sowohl die Marktseite, so z.B. die Beziehung zu den Kunden und die Honorarordnung, als auch die Inputseite bei der Unterstützung bei der Suche nach Mitarbeitern und schließlich die Organisation einer Kanzlei mit den Themen der Digitalisierung und Kostensenkung in Sachen Kammer-Pension.

Auch wenn das Ergebnis enttäuschend ist, dass wir nun auf Platz 3 zurückgefallen sind, so muss man doch hervorheben, dass dies nur auf sechs Stimmen zurückzuführen war. Wir halten bei 1.064 Stimmen im Vergleich zu 1.070 Stimmen für die AWT. Und in Relation zu der Anzahl der Wahlberechtigten von 7.900 Kolleginnen und Kollegen und der abgegebenen Stimmen von 4.523 ist die Differenz äußerst gering.

In einigen Bundesländern haben wir allerdings leider auch die Position des KSW-Landes-Vizepräsidenten verloren und sind da auch nur mehr drittstärkste Fraktion geworden. Es schmerzt natürlich, dass unsere Vertreter als KSW-Landes-Vizepräsidenten in den nächsten Jahren nicht präsent sein können.

Wir gratulieren unseren Mitbewerbern dennoch zu ihrem Erfolg und vor allem der ÖGSW zur absoluten Mehrheit, die doch für alle überraschend kam. In der Bundesregierung oder im Nationalrat werden absolute Mehrheiten meist problematisch gesehen. Auch bei den letzten Landtagswahlen konnte man eine absolute Mehrheit nur mehr selten beobachten. Absolute Mehrheiten werden immer argwöhnisch begutachtet und werden in der öffentlichen und in der veröffentlichten Meinung immer kritisch gewürdigt. Davon scheinbar völlig unbeeinflusst, hat die ÖGSW nach 20 Jahren die absolute Mehrheit erreicht. Vermutlich ist erst bei der nächsten Wahl der richtige Zeitpunkt gekommen, diese Mehrheitsverhältnisse zu ändern.

Als VWT werden wir unser gesetztes Programm weiter verfolgen, denn wir hatten viel positives Feedback zu unseren Themen. Dieser Zuspruch bestärkt uns darin, unser 9-Punkte Programm weiter zu verfolgen. Das Umsetzen unserer Themen ist uns ein erstrangiges Anliegen und von Priorität für die weitere Entwicklung unseres Berufsstands.

Als ein Ergebnis der Wahl werden wir unsere Präsenz in den Bundesländern verstärken und unsere Aktivitäten über die gesamte Legislaturperiode ausdehnen.

Wir wollen Infoabende in allen Bundesländern zu allen Jahreszeiten machen, um den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen und den Kontakt untereinander zu stärken. Wir wollen damit Präsenz schaffen, die die Basis für einen erfolgreichen nächsten Wahlkampf in fünf Jahren sein soll. Natürlich ist aufgrund der aktuellen Covid-19-Krise die Bedeutung von Präsenzveranstaltungen zurückgegangen - daher werden wir auch einige dieser Infoabende als Video-Konferenzen durchführen.

Ein weiteres Anliegen ist mir die Alterspyramide und die Geschlechterverteilung in unserer Fraktion. Am Ende des Wahlkampfs haben wir unter anderem auch das Feedback zu unseren Kandidatenlisten bekommen, dass wir zu wenige junge weibliche Kandidatinnen hätten. In einzelnen Bundesländern hatten wir nun tatsächlich eine Mehrheit an älteren Kollegen in unseren Reihen.

Wir werden uns daher verjüngen und auch weiblicher werden, wie das übrigens bei den Berufsanwärtern schon der Fall ist. Ich persönlich strebe eine 50:50 Verteilung, jeweils zwischen jungen und arrivierten Kammer-Mitgliedern und zwischen allen Kolleginnen und Kollegen an, und dies flächendeckend in allen Bundesländern. Diese Veränderung geht natürlich leider nicht von heute auf morgen, auch wenn ich mir das gerne wünsche. Dieser Prozess wird über die nächsten Jahre laufen und wir werden verstärkt den Kontakt zu den jungen Kolleginnen und Kollegen suchen. Das Wahlprogramm war ein Vorschlag unserer Kolleginnen und Kollegen aus dem bisherigen Kammertag und ich freue mich, wenn wir dieses Programm durch die Gedanken und Erwartungen der jungen Kolleginnen und Kollegen entsprechend modifizieren können.

Aufgrund der nur drei Tage nach der Kammerwahl hereingebrochenen Covid-19-Krise, die Sie, werte Leserinnen und Leser, hoffentlich gut überstehen werden, sind natürlich die Aktivitäten nach der Kammerwahl stark gehemmt worden. Die Konstituierung des Kammertages, die Einrichtung der weiteren Gremien und die Aufnahme der Tätigkeit in den Ausschüssen ist jetzt stark verzögert worden. Wir hoffen aber, dass wir es bis Ende Mai doch schaffen werden.
 

In diesem Sinne hoffe ich, dass es Ihnen trotz Krise noch gut ergangen ist. Durch die Corona-Krise konnten viele Kolleginnen und Kollegen die Zusammenarbeit mit ihren Klienten stark ausbauen, da bei der Unterstützung unserer Klienten beim AMS, AWS und Finanzamt wesentlich mehr Beratungsbedarf bestand als bisher. Der Beratungsbedarf wird sicherlich noch länger entsprechend der wirtschaftlichen Krise notwendig sein. Jedenfalls kann auch die Fakturierung unserer Leistungen und die Einbringung unserer offenen Honorare in den nächsten Monaten ein großes Thema sein.

Im Kammerpräsidium haben wir die Einrichtung eines Härte-Fonds zur Unterstützung von in Notlage geratenen Kolleginnen und Kollegen beschlossen. Dieser soll Unterstützung bieten, wenn Kolleginnen und Kollegen durch den Ausfall von Klienten betroffen sind und gleichzeitig durch die Fixkosten oder durch die Größe der Kanzlei in eine wirtschaftliche Notlage geraten. Wir hoffen, dass wir damit auch unseren Berufsstand insgesamt stärken und keinesfalls dabei auf die wirtschaftlich Schwachen vergessen.

Da ich diesen Artikel in der Karwoche geschrieben habe, ist Ihre Sicht auf die Covid-19-Krise vielleicht bereits eine andere - und bessere - beim Lesen dieser Ausgabe. Ich hoffe in jedem Fall, dass wir die Wirtschaft bald wieder anlaufen können werden, denn in manchen Branchen wie z.B. Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel ergeben sich auch längerfristige dramatische wirtschaftliche Schäden. Bei einem längeren Shutdown kann die gesamte Volkswirtschaft Österreichs empfindlich getroffen werden und die weitere Entwicklung Österreichs massiv gefährdet sein.

Ich hoffe auch, dass die Bundesregierung weiterhin realistisch und vorsichtig die Interessen der Volkswirtschaft mit den Interessen der Gesundheit der Bevölkerung abstimmt und wir mit einem langsamen und vorsichtigen Wiederanlauf die Wirtschaft wieder beleben können.

Das wünsche ich Ihnen und uns allen!
Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich und Ihre Familie auf.

Mit kollegialen Grüßen,
Philipp Rath

Mag. Philipp Rath
Präsident der VWT

Ausgabe WT 2020-02

Artikel Druckversion

Zurück

VWT News

Was tut die EU gegen die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19?

Die Corona-Krise ist die schlimmste Krise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind seither beispiellos. Alle Länder sind gleichzeitig und ohne eigenes Verschulden mit einem massiven Angebots- und Nachfrageschock konfrontiert. Weder Virus noch Rezession machen an Landesgrenzen halt. Da genügt es nicht, wenn jedes EU-Land sein eigenes Süppchen kocht. Wir müssen die Last der Krise miteinander schultern. Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung, finanzielle Solidarität und ein umfassendes Aufbauprogramm inklusive neuer, solidarischer Finanzierungsinstrumente.

mehr erfahren: Was tut die EU gegen die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19?

VWT News

Gemeinsam aus der Krise

Rasch und richtig auf die Corona-Krise zu reagieren, zeichnet Österreich in diesen fordernden Wochen und Monaten aus. Die Wirtschaftskammer leistet substanzielle Beiträge zur wirtschaftlichen Gesundung des Landes. Der internationale Vergleich zeigt, dass Österreich nicht nur rasch auf die gesundheitspolitischen Herausforderungen der Corona-Krise reagiert sondern auch die wirtschaftlichen Folgen der Krise sehr umfassend adressiert hat.

mehr erfahren: Gemeinsam aus der Krise

VWT News

Zum Finanz-Fahrplan aus der Corona-Krise

Mit dem Bundesminister für Finanzen der Republik Österreich, Mag. Gernot Blümel sprach WT-Chefredakteur Univ.-Lektor Dr. Walter Holiczki

mehr erfahren: Zum Finanz-Fahrplan aus der Corona-Krise